Februar/März 2017

Gemeindebrief für: Februar/März 2017

Werners Herz schlägt nicht mehr richtig. Immer wieder gerät es aus dem Takt, immer weniger gelingt es ihm die benötigte Menge Blut durch seinen Körper bis in die letzten Zellen zu pumpen. Werner liegt im Krankenhaus und wartet auf ein neues Herz und er weiß: Neu wird dieses Herz nicht sein. Es stammt aus der Brust eines Toten, aber es wird ihm hoffentlich zu neuem Leben verhelfen.


Andreas Herz schlägt nicht mehr richtig. Immer wieder gerät es aus dem Takt. Nach 24 Jahren Ehe hat ihr Mann sie wegen einer anderen Frau verlassen. Alles, woran sie ihr Herz gehängt hat, gilt nicht mehr. Am liebsten risse sie sich das Herz aus der Brust, damit es nicht mehr wehtut.


Das Herz, dieser lebenswichtige 300 Gramm schwere Muskel, versorgt nicht nur unseren Körper auf komplizierte Weise mit Blut und Sauerstoff, das Herz ist auch der Ort unserer Gefühle. Und so kann es brechen, in die Hose rutschen oder man trägt es auf der Zunge. Und manchmal scheint es leichter ein krankes Herz operativ durch ein „neues“ zu ersetzen als ein gebrochenes Herz zu kitten.


„Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“ So lautet die Jahreslosung 2017. Wie schön das wäre! Einfach ein neues Herz, das wieder richtig schlägt. Ein neues Herz, das keinen alten Schmerz mehr kennt. Ein neues Herz, das meinem alten Leben wieder neuen Schwung gibt. Gott verspricht so ein neues Herz – und dazu einen neuen Geist, mit dem er uns ausstatten will. Damit das neue Herz nicht im alten Takt schlägt und sich am Ende doch nur wieder um sich selbst dreht. Der neue Geist soll zu einem mitfühlenden Herzen verhelfen, einem Herzen, das sich nicht abfindet mit den Gegebenheiten in der Welt. 1517 wollte Martin Luther sich nicht abfinden mit den Zuständen in seiner Kirche und stellte seine 95 Thesen auf. 500 Jahre später feiern wir nun diese größte deutsche Reformbewegung und viele Menschen fordern, dass es mal wieder Zeit sei für eine solche, gerade in der Kirche. Ja, aber nur, wenn Gott der Initiator ist, damit der Geist Gottes in unserer Kirche weht und keine Ungeister in ihr spuken.


Martina Lembke-Schönfeld

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