„Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt.„

  • Diese Gedanken mögen Ihnen weiterhin Hoffnung und Mut schenken! Hoffentlich sehen wir uns bald wieder!


    (Quelle: Pixabay)


    Ein Weg voller Fragen

    Wie geht es nach Ostern weiter? Die Geschichte der Jünger, die nach Emmaus gehen, gehört für mich zu den schönsten Erzählungen im ganzen Neuen Testament. Ich mag sie einfach, diese tiefgehende Weggeschichte, für die der Evangelist Lukas seine ganze Erzählkunst aufgeboten hat.

    Ich denke, diese Erzählung berührt mich deswegen immer wieder, weil ich mich in den beiden Emmausjüngern gut selbst wiederfinden kann. Die beiden Menschen, die unterwegs sind zwischen Angst und Hoffnung, Trauer und Freude, Enttäuschung und Zuversicht, sie sind mir nah.

    Auch zu unserem Leben gehören die Stunden der Traurigkeit und der Enttäuschung, der Dunkelheit des Herzens und zerschlagener Lebenshoffnungen. Das haben wir in den vergangenen Monaten oft genug erlebt. Aber auch in unserem Leben gibt es – wie bei den Emmausjüngern – Stunden des aufkommenden Lichtes, Augenblicke, wo es einem warm wird ums Herz und Augenblicke der verborgenen Gotteserkenntnis und Gottesbegegnung. Es gibt die strahlende helle Freude und das Glück, wenn wir herausgefunden haben aus resignativer Verzagtheit und wieder neu unbeschwerte Gemeinschaft geschenkt bekommen.


    In der biblischen Geschichte sind die Jünger nach Ostern auf dem Weg nach Hause. Es war ein Weg voller Fragen. Jesus war gestorben. Verzweifelt und traurig waren sie.

    Wenn uns so zumute ist wie den beiden, dann ist es gut, wenn wir einen Weggefährten haben. Wenn wir mit jemandem reden können über Unverständliches, Unfassbares, das bringt oft schon Erleichterung und gibt neuen Mut.

    Die Jünger haben zunächste nur Fragen auf ihrem Weg.

    Ihr Herz ist schwer. Der Blick verdüstert. So schleppen sie sich dahin, reden miteinander, versuchen zu verstehen. Die Ereignisse haben sich überschlagen am dritten Tag: das leere Grab, die Frauen, denen Engel erschienen sind, ihre Botschaft, zwei Jünger daraufhin am Grab. „Ihn selber aber sahen sie nicht!“ So viel Bestürzendes, Rätselhaftes, Ungereimtes.


    Während die beiden voll Zweifel auf dem Weg sind, kommt Jesus hinzu, schließt sich ihnen an und wandert verborgen und unerkannt mit. Keine umwerfende Erscheinung, kein spektakulärer Auftritt. Was mich an dieser Geschichte sehr fasziniert: Jesus ist mit auf dem Weg. Er hört zu, fragt nach, fühlt sich in die beiden ein, spürt, wie verschlossen sie sind. Sie erkennen ihn zunächst gar nicht.

    „Was sind das für Reden?“ fragt scheinbar ahnungslos der Unbekannte. In Wirklichkeit holt Jesus sie dort ab, wo sie stehen, bei dem, was sie so sehr beschäftigt.

    Jesus überspielt und verharmlost nicht, was die beiden traurig macht. Vielmehr fordert seine Frage heraus, davon zu reden. So können sie erzählen von dem, auf den sie ihre ganze Hoffnung gesetzt hatten, können mitteilen, was Jesus ihnen bedeutete und was das für ein harter Schlag war, sein Tod am Kreuz, was da alles für sie zerbrochen ist.

    Es scheint, als hätten sie darauf gewartet, sich ihren ganzen Frust von der Seele reden zu können. Und Jesus lässt sie reden. Er nimmt sich Zeit für sie. Er hört zu, lässt sie ausreden. Alles, was schmerzt, darf aus ihnen heraus. Das allein tut schon gut.

    Und dann erzählt Jesus; von Gott und seiner Schöpfung. Ganz einfach. Und da beginnt ihr Herz zu brennen, wo er ihnen die Schrift auslegt. Es geht eine Kraft und eine Wärme von ihm aus. Und Jesu Worte legen sich wie Saatkörner in die fragenden und zagenden Herzen. Im Gespräch mit ihm gehen ihnen neue Horizonte auf. Die beiden, in denen alles dunkel und abgestorben war, fangen Feuer. Es beginnt zu brennen in ihren Herzen und Seelen.


    Der Weg ist lang. Der Abend bricht an, noch nicht der Morgen. Die Jünger laden den Weggefährte ein , bei ihnen zu bleiben.„Bleibe doch bei uns!“

    Man kann’s nur allzu gut verstehen. Der Abend ist mehr als eine Tageszeit. Die Dunkelheit bricht herein. Wer die Nacht des Lebens kennt, wer weiß, dass die Zeit zu Ende geht, der ahnt, was hier gemeint ist.

    Dann eingeladen zu sein ins Haus, an den Tisch – das ist wie ein Geschenk des Himmels. „Da ging er mit ihnen hinein, um bei ihnen zu bleiben.“

    Und der Gast wird zum Gastgeber. Er, der immer noch für der Fremde ist, nimmt das Brot und gibt es ihnen. Da fällt es ihnen wie Schuppen von den Augen. Und sie erkennen ihn. Der Gekreuzigte lebt. Er ist wirklich auferstanden. Gott hat zu ihm gehalten auch in seinem Sterben. Sein Tod war nicht das Ende. Er ist bei ihnen auf ihrem Weg.

    Was wie eine beiläufige Begegnung begann, wird für die Jünger zur Erfahrung beglückender Gemeinschaft. Die müden Glieder und die schweren Herzen werden leichter.

    Ein neuer Weg beginnt für sie. Ein Weg ins Leben!

    Solch einen Wegbegleiter wünsche ich uns allen in diesen Tagen. Der Weg zurück ins Leben ist noch weit. Wenn wir den Weg gemeinsam gehen und uns Zeit fürs Zuhören und Gemeinschaft schenken, dann ist Jesus mitten unter uns. „ Bleibe doch bei uns!“- Ja, wir sind nie allein!“


    Lied: Wo zwei oder drei

    „ Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind,

    da bin ich mitten unter ihnen!“


    Gebet für den Weg

    Gott! Dass mir das Herz so schwer werden könnte-

    wer hätte das gedacht?

    Bleib bei mir Gott, auf meinem Weg.

    Dich bitte ich um Schutz und Segen

    Für jeden Schritt. An jedem neuen Tag. Amen