»Höchste Zeit für Barmherzigkeit«

Vom rechten Umgang mit der Welt, sich selbst und mit Gott im Neuen Jahr

Auf die Frage, wie ein gelingendes und glückliches Leben möglich wäre, antwortete der römische Kaiser Marc Aurel einmal: »Dazu genügen die Wahrnehmung der Welt, wie sie tatsächlich ist und das Handeln für das Wohl der Gemeinschaft aller Menschen und das liebende Annehmen dessen, was mir geschieht, und alles drei in einem jeden Augenblick.«

Mehr als diese drei Dinge müssen wir nicht tun:

· »Sagen, was wirklich ist.« ‑ Die Dinge in der Welt so zu sehen, wie sie tatsächlich sind und nicht, wie wir sie bewerten oder vielleicht gerne hätten.

· »Handeln für das Wohl der Gemeinschaft« ‑ Gutes für unsere Mitmenschen und Nächsten tun.

· »Alles was geschieht, ohne dass wir es beeinflussen können, liebevoll und dankbar annehmen.« ‑ Alles in Dankbarkeit aus Gottes Hand nehmen.

Diese drei Dinge tun ‑ in einem jeden gegenwärtigen Augenblick unseres Lebens ‑ bedeutet «Glück». Diesen Dreiklang kannte auch schon der alte Prophet Micha. Er schreibt: »Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was Gott von dir fordert: „Halte dich an das Rechte, übe Liebe zu den anderen und folge achtsam und demütig deinem Gott.“« (Mi. 6, 8)

Wer in seiner Gegenwart die Wahrheit sagt, wer sich und anderen nichts vormacht, der sieht die Dinge, wie sie sind. Falsche und illusionäre Trugbilder können dann nicht vom rechten Weg abbringen. Vorschnelle Urteile und Vorurteile werden einen Menschen mit dieser Haltung nicht in die Irre führen.

Wer in jedem Moment all sein Handeln letztlich für andere tut, der wirkt mit an einer Gemeinschaft, in der sich die Menschen gegenseitig tragen und helfen. So jemand handelt für die große Menschenfamilie, die Menschheit überhaupt und schafft einen Raum, in dem sich Menschen wahrhaft mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen können. Niemand muss mehr glauben, er oder sie sei eigentlich allen anderen völlig egal.

Wer schließlich die äußeren Dinge, in Dankbarkeit und Demut akzeptieren kann, nimmt sie aus Gottes Hand. Dieser Mensch lässt sich alles zum Besten dienen. In dem breitet sich Zufriedenheit aus, weil er seinen Willen Gottes Willen unterordnet und ihm so achtsam und dankbar folgt.

Im Grunde treffen diese drei wichtigsten Dinge in dem Wort »Barmherzigkeit« zusammen.

Bleiben wir wahrhaftig in allem, was wir tun, und machen uns nichts vor, geben uns keinen Illusionen hin, dann ist dies auch ein Akt der Barmherzigkeit uns selbst gegenüber. Wir bewahren uns damit vor all den Irrwegen und Selbsttäuschungen des Lebens.

Wir sind barmherzig zu uns selbst, wenn wir uns so nehmen und lieben, wie wir sind. Wenn wir die Dinge dankbar akzeptieren, nehmen wir uns auch selbst hin, wie es für uns steht. Nicht die Erfüllung unserer eigenen Wünsche ist das Entscheidende, sondern die Dankbarkeit für alles, was geschieht.

Wer sich selbst mit all dem, was in und mit ihm ist, akzeptieren kann, wird auch seine Mitmenschen in gleicher Weise achten und hinnehmen. Der ist freundlich zu seinem Nächsten sein, weil dieser ein Mensch ist so wie er selbst. Ihm ist möglich barmherzig zu sein und Gutes zu tun.

Wer schließlich sein Leben vertrauensvoll Gott anheimgeben kann, wird seine Barmherzigkeit spüren. Denn aus Gottes Hand kommt allein Gutes, auch wenn es manchmal auf den ersten Blick so schwer ist, das Gute in dem zu sehen, was uns geschieht.

In diesem umfassenden Sinne sagte Jesus: »Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist« (Lk. 6, 36)

Diese Worte stehen als Jahreslosung und Motto über dem Neuen Jahr 2021. Ich wünsche euch allen, dass ihre Bedeutung in jedem Moment eures Lebens wirklich wird. Damit wird euer Leben gelingen und ihr werdet glücklich sein.

Andreas Bader, Pastor

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