Gemeindebrief Dezember 2021/Januar 2022

Der neue Gemeindebrief liegt als Download bereit.

Jahreslosung 2022

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“


Ich stehe vor der Tür eines Freundes. Lange ist es her, dass wir uns gesehen haben. Corona hat den Kontakt aufs Telefonieren beschränkt. „Komm herein! Schön Dich zu sehen!“, begrüßt er mich. Wie schön, so empfangen zu werden. Ich spüre, dass ich willkommen bin.

Während der Corona-Pandemie ist es keine Selbstverständlichkeit, überall willkommen zu sein. Wenn ich nicht einen 3G-Nachweis vorzeigen kann, muss ich sogar beim Gottesdienst draußen bleiben. Nicht aus Unfreundlichkeit, sondern um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Als ich im Mai meine Tochter in Rheinland-Pfalz besuchen wollte, durfte ich zwar kommen, aber niemanden mitbringen, denn es durfte sich nur ein Haushalt (meine Tochter und ihr Freund) mit einer anderen Person (ich) treffen. Manches Mal habe ich mich selbst ausgeschlossen, auch wenn die Türen freundlich geöffnet waren. Beim ersten verkaufsoffenen Sonntag in Dortmund bin ich lieber zu Hause geblieben. So viele Menschen waren mir suspekt. „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“, sagt Jesus zu den Menschen. Er öffnet die Tür zu Gott, die zu seiner Zeit für viele verschlossen war. Zu Gott in den Tempel kam nur, wer ein jüdischer Mann war und gesund. Nichtjuden und Frauen mussten draußen bleiben. Und auch die jüdischen Männer kamen nur bis an den Vorhang, der das Allerheiligste, wo der Altar stand, vom Rest trennte. Hier durfte sich nur der Priester aufhalten.

Jesus hingegen verlangt keinen Passierschein. Alle dürfen zu ihm kommen: die Jungen, die Alten, die Kranken und Gesunden, die Satten und die Hungernden, die Frauen und die Männer, die Juden und Nichtjuden. Zu ihm dürfen alle kommen, gerade, wenn alle anderen Türen verschlossen sind. Egal, was wir mitbringen, egal, was wir vorzuweisen haben, Gott wird niemanden abweisen. Er ist nur ein Gebet weit von uns entfernt und immer ansprechbar.

Die Pandemie hat mir gezeigt, wie furchtbar es sein kann, vom Leben ausgeschlossen zu sein; von Menschen, die man liebt, solange getrennt zu werden. Ich möchte im neuen Jahr darauf achten, Menschen, die mich brauchen, nicht abzuweisen. Ich weiß, ich werde nicht alle Wünsche erfüllen können, nehme mir aber vor, mit offenem Ohr und Herzen ins neue Jahr zu gehen. Und ich wünsche uns allen, dass 2022 wieder mehr Türen geöffnet sind als im vergehenden. Und vielleicht ist 2022 auch für Sie eine Chance, mal wieder an die Tür Gottes zu klopfen. Er wird Sie nicht abweisen!


Ihre

Pfarrerin Martina Lembke-Schönfeld

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