Gemeindebrief Februar / März 2023

Der neue Gemeindebrief liegt als Download bereit.

„Du bist ein Gott, der mich sieht.“


Andacht zur Jahreslosung 2023

„Siehst du mich?“ Eine wichtige Frage in unserem Alltag. Ich nehme innerhalb von Sekunden wahr, ob der andere ganz bei mir ist oder woanders.

Der Wunsch, gesehen zu werden, ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis. Egal ob über Instagram, Facebook, auf Fotos von Veranstaltungen oder beim Mannschaft-Wählen im Sport-Unterricht: Wir wollen gesehen werden. Wir wollen wahrgenommen werden mit dem, was wir können und leisten, was wir erleben, was wir fühlen und auch mit dem, was uns bewegt.

„Wie siehst du mich?“ Diese Frage geht tiefer. Sie fragt nach Wertschätzung, nach Würde. Es gibt Blicke, die andere zum Objekt machen. Die Nützlichkeit der eigenen Interessen wird abgeschätzt. Solange jemand nützlich ist, wird er gesehen, danach heißt es: Geh mir aus den Augen.

In der Geschichte der Hagar (1. Mose 16 und 1. Mose 21,8-21) kann man diese Abgründe wiederfinden. Hagar wird zum Objekt gemacht, um Abraham und Sarah den verheißenen Sohn zu verschaffen – eine erzwungene Leihmutterschaft quasi. Als sie sich dagegen auflehnt und einfordert gesehen zu werden, wird sie auf ihren Platz als Sklavin verwiesen und sie flieht in die Wüste. Sie weiß nicht, wohin sie gehen soll, ist dem Sterben nahe. Doch Gott geht dieser Frau in Gestalt eines Engels nach. Er sucht und findet sie, tröstet sie. Gott sieht Hagar anders an als Abraham und Sarah. In seinen Augen spie- gelt sich seine unendliche Liebe und Wertschätzung. Hagar gibt diesem, ihr bis dahin unbekannten Gott einen Namen: „Du bist der Gott, der mich sieht“.

Der Engel schickt Hagar wieder zurück zu Abraham und Sarah – bestimmt nicht die Lösung, die Hagar sich erhofft hat. Aber sie weiß nun, dass sie ihr Schicksal ertragen kann, denn Gott sieht sie und steht ihr bei. Gottes Gegenwart berührt ihr Leben und sie ist gewiss: Sie geht nicht allein weiter, sondern Gott ist da. Sie kann zurückkehren in ihr altes Leben und wird es doch nicht mehr in den alten Mustern führen.

Es kann etwas in uns verändern, wenn wir entdecken: Gott sieht mich! Menschen, die den liebevollen Blick Gottes spüren, können loslassen, was war, und wagen, was kommt. Weil sie angesehen sind, geliebt und begleitet.

Gott sieht Sie!

Pfarrerin Martina Lembke-Schönfeld

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