Gemeindebrief August/September 2018

Der Gemeindebrief für August und September 2018


Altweibersommer


1989 klagte eine 77- jährige Frau gegen die Bezeichnung “Altweibersommer“. Der Name diskriminiere sie nicht nur als Frau, sondern auch wegen ihres Alters. Das zuständige Landgericht war jedoch anderer Meinung: Der “Altweibersommer“ durfte seinen Namen behalten. Mitte September bis Anfang Oktober werden uns oft noch ein paar strahlend sonnige Tage beschert. Wenn dann ein lauer Wind weht, lassen sich viele kleine Spinnen an ihren zarten Fäden durch die Luft pusten. Die Krabbeltiere haben unmittelbar mit der Namensgebung zu tun, denn “Weiben“ ist ein altdeutscher Ausdruck für das Knüpfen von Spinnweben. In diesen Tagen sind die vom Tau benetzten Spinnweben in der Morgensonne deutlich zu erkennen sind. Die glitzernden Fäden erinnern an die langen, silbergrauen Haare älterer Frauen.


Der Ausdruck „Altweibersommer“ gefällt mir besonders gut.


Seit letzten Oktober bin ich neu zuständig für den Bereich Altenarbeit und habe in diesen Monaten viele Kontakte knüpfen können zu älteren und alten Frauen, die voller Selbstbewusstsein sind. Was ist überhaupt alt? Ist es der Beginn des sogenannten Ruhestandes, wenn ich aus dem Erwerbsleben ausscheide? Die Lebenserwartung von Frauen und Männern steigt jährlich. Ein heute geborenes Mädchen wird nach der Statistik fast 82 Jahre alt, ein Junge 76 Jahre. Menschen werden vermehrt 100 Jahre alt. Wir wissen nicht, wie unser Ältersein aussehen wird. Uns werden zwischen Familienzeit und Pflegebedürftigkeit oft noch erstaunlich viele gute Jahre geschenkt sein. Diese dritte und vierte Lebensphase können voller Möglichkeiten und Chancen stecken. Die Generation der heutigen „Älteren“ ab 65 Jahren versteht sich als jung, fit und voller Ideen. Vom Ruhestand wollen sie noch nichts wissen. Im Gegenteil sie möchten eigenständig und selbstbestimmt Lebensträume verwirklichen und Neues wagen. Daher müssen wir auch in den Gemeinden unser Bild vom Alter verändern. Die Hochbetagten sollen weiterhin in unseren Gemeinschaften gut aufgehoben bleiben. Für die jüngeren Alten müssen wir aber neu denken und „silberne Netzwerke“ knüpfen: Ehrenamtliches Engagement als unentbehrlichen Beitrag für das Gemeinwesen und für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Und die Kirche hat dazu einen besonderen Auftrag: Nach evangelischem Verständnis ist dieses Engagement ein Wesensmerkmal unserer Kirche. Das Recht auf Beteiligung aller Christen gehört zur Errungenschaft der Reformation. Wir als Gemeinde freuen uns, wenn Menschen stolz sind auf ihre Lebenserfahrungen sind und diese in unsere Gemeinschaft einbringen. Verschiedene Talente werden in unseren Gemeinden dringend gebraucht. Laden wir sie ein mitzumachen!


Friederike Scholz-Druba

  • Version

    Aktuelle Version vom 14.07.2018 I 19:50 Uhr

  • Version

    Aktuelle Datei vom 14.07.2018 I 19:50 Uhr

  • Version