Gemeindebrief Juni / Juli 2019

Der Gemeindebrief für Juni und Juli 2019

„Eine heiße Tasse Kakao kann oft schon helfen“, das stand als Überschrift über einem Zeitungsartikel. Er beschrieb, was Kindern helfen kann, wenn sie ein traumatisches Erlebnis hatten. Eine heiße Tasse Kakao ist Zuwendung, sinnlich erfahrbare Liebe, das Gefühl, dass sich jemand um mich kümmert. So wie es freundliche Worte auch sind. Doch sie müssen mir signalisieren, dass ICH gemeint bin. Dass sie mir gelten. Einfach nur so daher gesagt – das bringt mir nichts. Als ich Witwe wurde, fand ich die Frage: „Wie geht es dir?“ furchtbar. Antwortete ich: „Gut!“, erntete ich verständnislose Blicke – ich hatte ja gerade meinen Mann verloren. Sagte ich: „Gar nicht gut!“, merkte ich sehr schnell, dass das niemand hören wollte. Da war es mir lieber, nicht angesprochen zu werden.


Andererseits kann ein freundliches Wort den Tag zum Leuchten bringen. Neulich beim Bäcker stehe ich morgens in der Schlange. Ich bin noch müde, es regnet und in Gedanken überlege ich, welche Pflichten ich noch alle zu erfüllen habe. Wahrscheinlich gucke ich auch ein wenig grummelig. Da sieht mich der Mann vor mir an, lächelt und sagt: „Ist doch schön, dass heute Samstag ist, wir frische Brötchen bekommen und gleich noch eine schöne Tasse Kaffee dazu! Ein perfekter Start in den Tag, oder?!“ Ich muss lachen über so viel Vorfreude auf das Wochenende und über so viel Genügsamkeit. Und mit dem Lachen finde ich den Tag auf einmal auch schön. Die Sonne ist in meiner Seele schon aufgegangen. Und die müden Glieder strecken sich und werden wach. Ja, die Bibel hat völlig recht mit dem Monatsspruch für den Juni: Freundliche Reden sind Honigseim, süß für die Seele und heilsam für die Glieder! Ich sollte es so machen wie der nette Mann beim Bäcker: Meinen Mitmenschen viel öfter etwas Freundliches sagen. Darin bin ich nicht gerade eine Meisterin. Wie heißt es so schön: Westfälische Zustimmung – nicht gemeckert ist genug gelobt.


Dabei bleibt ein gutes Wort, eine freundliche Rede lange im Gedächtnis haften. Kritik, selbst die, die mich sehr verletzt hat, habe ich irgendwann vergessen. Aber es gibt gute Worte, die ich immer noch im Gedächtnis habe, selbst wenn sie schon ein Vierteljahrhundert alt sind.


Ich habe eine Freundin, die arbeitet in der Tagespflege. Sie hat eigentlich immer gute Laune und für jeden ein freundliches Wort. Ich bin immer wieder verblüfft, wenn ich sehe, wie die Menschen in der Tagespflege aufblühen, wenn sie den Raum betritt. Selbst ganz hartgesottene Miesepeter bewegen sich am Ende des Tages beschwingter durch den Raum und haben ein Lächeln im Gesicht.


Ich wünsche uns allen, dass uns in der Sommerzeit gute Worte begegnen und wir gute Worte weitergeben.


Ihre Martina Lembke-Schönfeld

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