Gemeindebrief Oktober / November 2019

Der Gemeindebrief für Oktober und November liegt zum Download bereit.

Aus dem Vollen schöpfend!




Ich renoviere gerade mein Wohnzimmer. Alle Schränke müssen raus. Was sich da so alles wiederfindet. Von manchen Dingen wusste ich schon gar nicht mehr, dass ich sie habe. Bevor ich alles in Kartons verstaue, überlege ich, was ich entsorgen oder verschenken kann. Vielleicht gibt es ja einiges, was ich nicht brauche, aber worüber sich jemand anderes freut. Ich brauche keine fünf Tortenplatten, zwei reichen. Aber die, die ich eigentlich nie benutze, stammt noch von meiner Oma! Da hängt Erinnerung dran. Und schon wird die Fülle noch ein bisschen voller. Abgeben fällt halt nicht so leicht!


An manchen Dingen hänge ich halt, auch wenn ich sie eigentlich nicht brauche, gebe ich sie nicht gerne her. Und bei anderen denke ich: Vielleicht brauche ich das ja noch einmal? Und da fängt die Angst an.

Aber es geht ja nicht nur um Dinge. Es gibt so viel zu verschenken, das nichts kostet:

  • Der Nachbarin die Tür aufhalten, wenn sie ihre schweren Einkäufe ins Haus schleppt.
  • Ein freundlicher Gruß auf der Straße und ein paar Sätze mit dem alten Mann gegenüber, von dem ich weiß, dass er kaum je- manden zum Reden hat.
  • Eine Stunde das Kind einer Bekannten bespielen, damit die Mutter Zeit für sich oder einen Arztbesuch hat.
  • Meiner Freundin zuhören, wenn sie sich Sorgen um ihre Mutter macht – auch wenn ich gerade anderes zu tun habe.
  • Blutspenden, weil ich weiß, das wird dringend gebraucht.

Ich weiß, dass viele Menschen dank-bar sind, dass es ihnen so gut geht und sie, die aus dem Vollen schöpfen, gerne davon etwas zurückgeben; ob durch Geldspenden oder durch ehrenamtliche Arbeit. Und ich höre immer wieder, dass diese Menschen sagen: Das macht mich nicht ärmer, sondern reicher. Ich erhalte so viel zurück – gerade bei ehrenamtlicher Tätigkeit.

Und vielleicht ist das das Geheimnis, dass gerade Menschen, die wenig haben, oft viel hergeben können: Sie haben keine Furcht, dass es nicht mehr für sie reicht. Sie wissen, sie bekommen viel zurück. So mutig möchte ich werden!


Pfarrerin Martina Lembke-Schönfeld

  • Version