»Ob Beten hilft? – und wenn, dann jetzt besonders!«

Corona lehrt beten – zur Ruhe zu kommen und gegenwärtig zu sein für andere.

In den vergangenen Wochen wurde öffentlich die Frage nach dem Sinn von Beten gestellt. Die Menschen haben sie unterschiedlich beantwortet. Ein Tenor aber war ihnen dennoch gemeinsam: „Das Gebet hilft dem eigenen Bewusstsein auf und gibt ihm Hoffnung.“ Ein Gebet „lässt mich einen Platz in meinem Geist finden, an dem ich gewiss bin, dass alles gut wird, was auch kommen mag. Dann kann ich mir nichts Wertvolleres vorstellen in diesen ängstlichen Stunden.“

Irgendwie ist die gegenwärtige Zeit der Beschränkung von Kontakten auch für mich so etwas wie eine ausgedehnte Fastenzeit, in der ich das innere Gespräch mit mir selbst und mit Gott suche. In meinem Gebet bin ich zugleich mit den unzähligen Menschen verbunden, die an Covid-19 erkrankt oder schon gestorben sind. Ich bin verbunden mit denen, die um sie trauern. In meinem Gebet kommen die Mitarbeiter im Gesundheitsbereich in den Blick und alle, die an der vordersten Front für die Aufrechterhaltung unserer Versorgung kämpfen. Ich bin bei denen, die sich in ihrer wirtschaftlichen Situation existentiell bedroht sehen und bei denen am Rand dieser Gesellschaft, deren Situation jetzt noch viel schlimmer geworden ist.

Wenn ich bete, besinne ich mich immer auf mich selbst. Im Beten komme ich zur Ruhe, werde gegenwärtig und komme in mein »Jetzt« vor Gott. Wenn ich bete, kommen aber zugleich die anderen in den Blick, mit denen ich immer verbunden bin: Ich sehe die Sorgen und Nöte derer, die in dieser schwierigen Zeit Hilfe nötig haben. Es ist wahr, nur wenn ich weiß, wo ich stehe, kann ich für andere da sein. Erst dort wird deutlich, was ich überhaupt für jemanden anderen tun kann und damit auch tun soll. Hilfe für andere ist nicht möglich, ohne diese betende Selbst-Besinnung. Aber Selbstbesinnung ist wirkungslos, wenn sie nicht zu einen guten Handeln für andere führt.

Beten verändert den Betenden und die Betende. Es öffnet sie für die anderen, die im Gebet immer mit gegenwärtig sind. Beten ist deshalb eine Form der Gemeinschaft. Es gibt der Not eine Sprache und hält sich selbst Gott hin. Beten ist Aufstand gegen die Sinnlosigkeit und sucht sinnvolle Handlungen gerade in der Not.

„Das Gebet ist immer auch ein Gespräch in sich hinein. Und wenn wir diesen Kanal jetzt nicht öffnen – wann dann?“ sagte jemand, heute nach dem Beten gefragt.

Theresa von Avila hat sich ein Gebet auf ihr Lesezeichen geschrieben, das sie täglich begleitete: »Nada te turbe – solo Dios basta!«

Nichts soll dich ängstigen. Nichts dich erschrecken. Alles vergeht. Gott bleibt derselbe. Geduld erreicht alles. Wer Gott besitzt, dem kann nichts fehlen:
Nur Gott genügt.

Wer so beten kann, erfährt Gott als den eigenen Lebensgrund. Er wird offen für den anderen und bereit, ihm zu helfen. Beten hilft! – Zweifach, mir und anderen.


Andreas Bader, Pastor

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