»WENN DIE SONNE NICHT SCHIENE…«

Von der Not-wendigkeit des Lichts in dunklen Zeiten.

„Wie froh können wir doch sein, dass die Sonne scheint!“ kam es mir heute Morgen in den Sinn. Die vergangen Wochen der Bedrohung durch das Virus hatten fast ausschließlich Sonnentage. – Was für ein Trost. Gott sei Dank! Ich stelle mir vor, es wäre umgekehrt. Wir hätten unter all den gegenwärtigen Einschränkungen trübe, wolkenverhangene und durchnässte Tage, Stunden und Minuten durchleben müssen: die Einsamkeit und Unsicherheit, die Überlastung in den Familien, die wirtschaftlichen Existenznöte. Wie schlimm wäre das erst!

Für mich ist der Sonnenschein der vergangenen Wochen ein Sinnbild für die Notwendigkeit des Lichtes in der Natur und unserem Leben. Das Licht wendet tatsächlich unsere Not. Wir sind existentiell darauf angewiesen. Die Natur kann nicht ohne Licht sein. Nichts wächst ohne die Sonne. Wir selbst können nicht ohne Licht leben – gerade jetzt nicht.


Paul Gerhard, der Pfarrer und Liederdichter wusste davon. Lebte er doch in einer weit bedrohlicheren Zeit als wir heute. Die Zeit des 30jährigen Krieges war nicht allein durch die Kampfhandlungen mit ihren verheerenden Auswirkungen geprägt. Es war auch die Zeit, in der die Pest, die »Seuche«, wütete und ganze Landstriche entvölkerte.

Paul Gerhard wusste auch persönlich von der Notwendigkeit des Lichts: Früh verlor er seine Eltern, seinen Bruder und seine Frau. Nur eines seiner fünf Kinder überlebte die ersten Monate. – Schwedische Truppen machten seine Heimatstadt dem Erdboden gleich.

Paul Gerhard wusste von der die Not wendenden Kraft des Lichts gerade angesichts der Zerbrechlichkeit, Begrenztheit und Endlichkeit menschlichen Lebens, die auch wir heute wieder erfahren.

So schreibt er in einem wohlbekannten Lied unseres Gesangbuchs (EG 449):


»Die güldne Sonne/voll Freud und Wonne/bringt unsern Grenzen/mit ihrem Glänzen/ein herzerquickendes, liebliches Licht./ Mein Haupt und Glieder,/die lagen darnieder;/aber nun steh ich,/bin munter und fröhlich,/schaue den Himmel mit meinem Gesicht.«


Er blieb auf das »liebliche Licht« ausgerichtet, vertraute darauf: Das Licht allein lässt ihn Leben:


»Kreuz und Elende,/das nimmt ein Ende;/nach Meeresbrausen/und Windessausen/leuchtet der Sonnen gewünschtes Gesicht./Freude die Fülle/…dahin sind meine Gedanken gericht’


Das Licht bleibt. Der bleibt, der von sich sagt: »Ich bin das Licht der Welt«. Im Vertrauen auf das Licht, das Christus selbst ist, lässt es sich leben – in jedem dunklen und bedrohten Moment, so zerbrechlich wir sind. Leben wir aus der Kraft des Lichtes, sind wir selbst »Licht der Welt« für andere.

Ich bin so froh, dass die Sonne scheint.

Andreas Bader, Pastor

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