»8 min 46 sec. – Black lives matter because anyone’s life matters«

[»Die Leben von Schwarzen zählen, weil das Leben eines jeden Menschen zählt«]

Das Sterben des George Floyd in 8 Minuten und 46 Sekunden im Polizei-Gewahrsam stellt die Frage des Rassismus neu – weltweit und auch für uns!

Am Abend des 25. Mai 2020 wird der Afroamerikaner George Floyd in Minneapolis von vier weißen Polizisten aus seinem Auto gezerrt. Seine Hände werden auf dem Rücken gefesselt. Die Beamten zwingen ihn zu Boden, einer kniet auf seinem Hals, der andere drückt auf seinen Rücken und der letzte Kollege auf seine Beine. Ein Video, das die New York Times ins Netz gestellt hat, zeigt das gewaltsame Sterben des George Floyd unter Bitten und Flehen in 8 Minuten und 46 Sekunden. Die Times betitelt das Video schärfer: „Wie George Floyd im Polizeigewahrsam ermordet wurde.“

Dieses Geschehen hat weltweit Proteste ausgelöst, bei denen die Parole gezeigt wird: »Black lives matter« (Die Leben von Schwarzen zählen.) Es ist die Frage nach dem Rassismus, nicht nur in den USA, sondern auch bei uns in Deutschland und in unserer Stadt. Es ist ein Grund, hier darüber nachzudenken.

Der afroamerikanische Autor James Baldwin (1924–1987) beschreibt in seinem Buch: »I Am Not Your Negro!« [Ich bin nicht dein ‚Neger‘!], worum es im Kern geht. Er stellt die zentrale Frage für unsere Herzen: „Warum ist es nötig, dass wir das Wort ‚Neger‘ [Nigger] gebrauchen“, wenn wir einen schwarzhäutigen Menschen sehen. Baldwin fährt fort: »Ich bin kein ‘Neger’ sondern ein Mensch. Wenn du aber denkst, ich sei ein ‘Neger’, bedeutet das, du brauchst einen ‚Neger‘.«

Das Wort ‚Neger‘ ist zwar weitestgehend aus unserem Sprachgebrauch getilgt. Man müht sich, Menschen nicht wegen ihrer Hautfarbe zu diskriminieren. Das gilt aber keineswegs für alle Menschen in unserem Land. Und es bedeutet schon gar nicht, dass unser Denken und unsere Herzens-Haltung vom Rassismus befreit wären. Wenn einzelne oder (gesellschaftliche) Gruppen herablassend ausgegrenzt werden, dann ist das Rassismus. Baldwin behauptet, dass Menschen eine solche, andere erniedrigende Haltung und ein solches Denken brauchen, etwa weil sie sich selbst für nicht genügend halten. Sie brauchen die Herabsetzung anderer, um selber besser dazustehen.

Die klassische biblische Erzählung zum Thema Rassismus ist die Geschichte vom »Pharisäer und Zöllner«. Hier sagt der sich selbst für gerecht erklärende Pharisäer. „Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner.“ Oder wie dieser Schwarze dahinten, könnte man hinzufügen. Der »Pharisäer« braucht die abwertende Abgrenzung gegen die anderen Leute, um sich selbst als der Bessere zu fühlen, erst dann scheint er sich als genügend zu empfinden.

Uns ist es in der Taufe zugesichert: »Du bist geliebt. Du bist genug.« Und zwar weil du da bist, nicht erst, wenn du besondere Leistungen vollbracht hast. Nicht erst, wenn du nennenswerten Besitz zusammengetragen hast. Du bist schon anerkannt, bevor dich andere anerkennen. Du bist etwas wert, weil du Mensch bist. Die Würde, Mensch zu sein, gilt nur etwas, wenn sie zugleich auch für die anderen gilt. Dann, wenn der Selbstrespekt zugleich der Respekt den anderen Menschen gegenüber ist. Jesus selbst hat im Gebet zu seinem Vater um diese Einheit aller Menschen untereinander und damit mit Gott gebetet. Sie ist das Wichtigste im Leben. »Ich bitte für [alle, die an mich glauben]…, damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein…, damit sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. (Joh. 17, 21-23). Wir alle sind Menschen, von Gott in gleicher Weise geschaffen und geliebt. Deshalb können wir einander lieben. Wir können jeden Rassismus überwinden und entsprechend handeln.

Andreas Bader, Pastor

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