»Wenn unser Vorhaben scheitert…— von der Bedeutsamkeit des „Plan B“«

„Das meiste geschieht nach Plan B“, hat mein Freund und Pfarrkollege aus der UCC-Gemeinde in Ohio/USA einmal ge-sagt, als wir den Plan für den Gottesdienst, kurz bevor dieser begann, noch einmal ändern mussten.

Ein kleines Bespiel für die umfassende Notwendigkeit von Flexibilität im Leben. Allein solche „Biegsamkeit“ im Umgang mit den Dingen und uns selbst macht mich lebendig. Das stimmt nicht nur für all das, was ich so will und mir in den Kopf gesetzt habe. Wenn ich feststelle, dass bestimmte Ziele nicht oder nicht auf diese Weise zu erreichen sind, dann hat es wenig Sinn, es nur mit noch mehr Energie, Anstrengung und Wollen weiterhin zu versuchen. In gleicher Weise ist es unklug, zu viel zu wollen oder sich am Tag zu viel aufzuhalsen. Ganz zu schweigen von den vielen Gedanken und Sorgen, die meine Seele belasten: Die meisten dieser Befürchtungen treten dann doch nicht ein.

Flexibilität und die Fähigkeit, Distanz zu nehmen, ist auch gefragt, wenn das Konsumieren überhandnimmt und ich das Gefühl bekomme, dass mein Besitz mich besitzt. Wie viel wird gekauft – und gesammelt, weil man meint, es irgendwann einmal verwenden zu können. Wieviel Kleidung habe ich, die ich nie getragen habe und wohl auch nie tragen werde. Trotzdem häufe ich sie an. Und womit fülle ich außerdem meine Wohnung an: Dinge, die mich beengen und mir den Raum zum Leben und Atmen nehmen.

Die Rock-Gruppe Silbermond aus Bautzen sang in einem ihrer Lieder entsprechend: »Eines Tages fällt dir auf, dass du 99% nicht brauchst. Du nimmst all den Ballast und schmeißt ihn weg. Denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck.«

Das Los- und Seinlassen des ganzen Ballasts, all der Pläne A, schafft den Freiraum, einen Plan B finden zu können. Ein Plan, der notwendig wird, wenn meine Absicht – wie so oft ‑ scheitert. Seinlassen-Können bedeutet, mit Besonnenheit und Gelassenheit mit allem umzugehen. Solche Gelassenheit ist Lebendig-Sein. Seine Voraussetzung ist, sich selbst zu unterbrechen, sich nicht auf etwas zu fixieren, sich an nichts absolut zu binden. Solche Gelassenheit bedeutet dem Ewigen, Gott, dem eigenen Lebensgrund in sich Raum zu geben:

Dorothee Sölle hat diesen Gedanken in einem Gedicht so formuliert:


Du sollst Dich selbst unterbrechen

Zwischen Arbeiten und Konsumieren

- soll Stille sein und Freude,

zwischen Aufräumen und Vorbereiten

- sollst du es in Dir singen hören,

Gottes altes Lied von den sechs Tagen

- und dem einen, der anders ist.

Zwischen Wegschaffen und Vorplanen

- sollst Du Dich erinnern an diesen ersten Morgen,

Deinen und aller Anfang,

- als die Sonne aufging ohne Zweck

und Du nicht berechnet wurdest in der Zeit, die niemandem gehört

- außer dem Ewigen.

Andreas Bader, Pastor

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