»Sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.« (Römerbrief 8,28)

Gott selbst ist in allem da. Er teilt sich uns mit, in allem was geschieht!

Oft scheint mir in meinem Leben Gott so weit entfernt. Ich bin beschäftigt mit meinem Alltag, den Aufgaben und Pflichten, den Sorgen und Nöten, mit dem, was mir schwer fällt und mich herausfordert. Manchmal kämpfe ich mit den Widerständen gegen all das.

So träume ich vom Glücklich-Sein und suche es in den äußeren Dingen. Ich male mir z.B. meinen nächsten Urlaub aus: In den Bergen, am Meer oder einer schönen ruhigen Landschaft. Ich möchte Abstand gewinnen, herauskommen aus dem alltäglichen Trott. Ich spüre sie ja, die Sehnsucht nach Ruhe und Geborgenheit. Irgendwie fehle ich mir selbst.

Davon wusste schon der römische Kaiser Marc Aurel. Er schreibt in seinem Selbstbetrachtungen:

»Um sich zurückzuziehen, suchen die Menschen nach Orten, auf dem Land, am Meer oder in den Bergen. Wahrscheinlich sehnst auch du dich nach solchen Orten. Dabei ist das vollkommen einfältig, denn du kannst dich jederzeit in dich selbst zurückziehen. Es gibt keinen friedlicheren und sorgenloseren Ort als deine eigene Seele, besonders da sie bei näherer Betrachtung ein Ort der inneren Ruhe ist, also nicht weniger als eine innere Ordnung. Diesen Rückzug solltest du möglichst oft anstreben und dich erholen.«


In Zeiten, in denen ich mich wirklich in Not und Bedrängnis finde, umzingelt von Fragen, die für mein Leben entscheidend sind, bitte ich Gott, er möge mir zur Seite stehen, er möge mir helfen, er möge zu mir kommen.

Ich vergesse dabei leicht, dass Gott schon da ist, dass er in mir wohnt, in der Tiefe meiner Seele. Zuweilen wird mir das klar: Alles, was mir fehlt, ist die Besinnung auf ihn, auf mein wahres Selbst. Halte ich mich betend Gott hin, gelingt es mir manchmal, alles sein zu lassen und zu zulassen, zu akzeptieren, wie es mir nun einmal ist. Denn Gott ist in dem allen da.

In solcher stillen Besinnung lasse ich mich auf mich selbst ein. Ich gehe betend den Weg ins Vertrauen. Ich lasse all meine Sorgen los und meine Gedanken zu, einen Augenblick lang, ohne mich gerade in diesem „Jetzt“ weiter darum zu kümmern. Das verschafft mir Klarheit und ein tiefes Empfinden von Geborgenheit. Ich empfinde mich geliebt, beschützt und beschirmt und kann alles, was ist, aus Gottes Hand nehmen: Meine Sorgen und Nöte, meine Aufgaben und Pflichten, meine Widerstände dagegen. So finde ich Möglichkeiten, damit umzugehen.


Der Jesuitenpater Alfred Delp hat kurz vor seiner Hinrichtung dieses Empfinden tiefer Geborgenheit in Gott so beschrieben:


»Das eine ist mir so klar und spürbar wie selten:

Die Welt ist Gottes so voll.

Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen.

Wir aber sind oft blind.

Wir bleiben in den schönen und bösen Stunden hängen

und erleben sie nicht durch bis an den Brunnenpunkt,

an dem sie aus Gott herausströmen.

Das gilt für alles Schöne und auch für das Elend.

In allem will Gott Begegnung feiern

und fragt und will die anbetende, hingebende Antwort.

Die Kunst und der Auftrag ist nur dieser, aus diesen Einsichten und Gnaden

dauerndes Bewusstsein und dauernde Haltung zu machen

und werden zu lassen.

Dann wird das Leben frei in der Freiheit, die wir immer gesucht haben. «

Andreas Bader, Pastor

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