»Es begab sich aber zu der Zeit…«

Weihnachten kam noch nie so früh wie in diesem Jahr.

Noch sind es gut fünf Wochen bis zum ersten Advent und noch gut neun Wochen bis zum Heiligen Abend. Und »es begibt sich schon jetzt« … Weihnachten ist bereits im Oktober da: In der Politik und den Betrieben, den Ordnungsämtern und den Gesundheitsämtern, ‑ auch in den Kirchengemeinden. Überall geht es schon um Weihnachten. Dieses Jahr war Weihnachten sogar schon da, bevor es in den Supermärkten Printen und Schokonikoläuse gab.

Die große Vorfreude, die Weihnachten für gewöhnlich vorauswirft, ist anscheinend einer großen Vor-Furcht gewichen. Das große Fest droht in den Augen der Verantwortlichen zu einen Corona-Hotspot-Fest zu werden. All überall wird das Virus »gesehen«, nicht nur auf den Tannenspitzen des „größten Weihnachtsbaums“ auf dem Dortmunder Hansaplatz. Ordnungsämter stellen mancherorts den Weihnachtsmarkt überhaupt in Frage oder vergrößern wie in Dortmund die Ausdehnung, um mehr Abstand gewährleisten zu können. Online muss ein Zeitfenster für einen Platz am Glühweinstand gebucht werden. – Soweit die derzeitigen Planungen. Aber niemand weiß, wie das in fünf Wochen aussieht.


Weihnachtsplanungen in den Kirchen – Groteske Fragen drängen sich auf: Müssen in Krippenspielen, Maria und Joseph und der Wirt Mund-Nasen-Schutz tragen? Wie wirklich wird angesichts der beschränkten Besucherzahlen in den Kirchen die Zeile der Weihnachtsgeschichte: »… denn sie hatten sonst keine Herberge.«? Und was ist mit den Nikoläusen? Auch Maske unter dem Bart? Ordnungsämter zählen sie jedenfalls zur »Risikogruppe«. Wie still wird die Christnacht 2020, wenn nicht gesungen werden darf?


„Wie können wir weihnachtliche Nähe schaffen, trotz Abstand?“ ist auch die Frage unserer Gemeinde. „Wie können möglichst viele Menschen trotz der Beschränkungen noch Weihnachten 2020 in der Kirche feiern?“ Auch hier gibt es gute Planungen, aber auch hier weiß niemand, wie das in fünf bzw. neun Wochen aussehen wird.


Vielleicht haben wir aus den vergangenen Monaten mit Corona auch entscheidendes gelernt: Wir können an Weihnachten nicht einfach wie gewöhnlich weitermachen. Wir müssen uns auf die Kraft besinnen, die daraus entspringt, dass Gott selbst Mensch geworden ist, dass er in uns geboren wird und unser Leben, unseren Alltag teilt auch mit allem Bedrohlichen und Schlimmen. Wenn in manchen Gemeinden Gottesdienste unterfreiem Himmel geplant werden oder Straßenandachten mit trompeteten Weihnachtsliedern, dann wird hautnah erfahren, worum es Weihnachten wirklich geht: was es heißt »… denn sie hatten sonst keine Herberge.« Was es heute heißt: »…und die Hirten fürchteten sich sehr.« Vielleicht werden sich in diesem Jahr Menschen begieriger und sehnsüchtiger fragen, was es denn bedeutet, dass der Engel kommt und spricht: »Fürchtet euch nicht. Denn euch ist heute der Retter geboren, welcher ist Christus, der Herr.«


Es ist gut diese Zusage im Herzen zu behalten – immer! Und deshalb auch schon im Oktober. Das wünsche ich Euch allen.


Andreas Bader, Pastor.

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