»Wenn es in uns dunkel wird und der Sinn abhanden-kommt.«

Von der Sehnsucht nach »Licht«

Es ist Herbst. Blätter trudeln von den Bäumen und bedecken die Gärten. Die Tage werden kürzer. Sonnenstrahlen verstecken sich hinter dunklen Wolken. Regen fällt – oft taglang. Das Licht nimmt ab. Der November steht vor der Tür.

Wie leben, wenn es außen dunkler wird? Woher Kraft bekommen, wenn auch der Sinn in meinem Leben trüb wird? – Und nicht zuletzt dann, wenn das Virus unsere Kreise enger zieht und notwendige Beschränkungen uns einengen?

Für mich war und ist Musik eine Kraftquelle in dieser Zeit. In mir klingen noch die Lieder aus alten Tagen, die von Lichtmomenten in trüber Zeit, in Dunkelheit, singen. »Novembermorgen« zum Beispiel von Klaus Hoffmann – über 40 Jahre alt ‑ »Hol mir die Kraft aus Sommertagen und lebe im November davon.« heißt es dort. Immer wenn ich diese Zeile höre – und sie klingt nun schon innerlich ‑, denke ich zugleich an Frederick, die Maus. Während andere Mäuse arbeiten und arbeiten – Tag und Nacht – um Wintervorräte zusammenzuklauben, liegt Frederick da und sammelt Sonnenstrahlen »für die kalten, dunklen Wintertage.« Licht für die Dunkelheit, das durch keinen noch so großen Vorrat ersetzbar ist.

Natürlich geht es längst nicht nur um jahreszeitliche Wetterphänomene. Vielmehr geht es um unsere inneren Stimmungen, um die Dunkelheit in uns Menschen und um den Sinn unseres Lebens. ‚Licht für die Dunkelheit‘ ist offensichtlich ein zeitloser Gegenstand. So findet es sich auch in der gegenwärtigen Musik. In diesem Herbst hat Nena – ja, genau die mit den „99 Luftballons“ ‑ ein neues Album veröffentlicht mit dem Titel »Licht«. Im Refrain heißt es »Wir kommen aus der Liebe/ Wir kommen aus dem Nichts/ Und wer will uns besiegen/ Wir schicken Licht, Licht, Licht.« Unser, mein Leben, stammt aus der Liebe. Sie ist der Sinn meines Lebens. Aus ihr stamme ich und wir alle. Sie hält und trägt uns im Leben. Und wir sind für nichts anderes auf dieser Welt da, als Resonanzraum dieser Liebe zu sein – in einer jeden Begegnung mit anderen. Menschen sind dafür da, Licht, Licht, Licht zu schicken.

Die entscheidende Bedeutung, für andere »Licht« und »Sinn« zu sein, behauptet auch der Rapper Curse. Gemeinsam mit Alexa Feser hat er 2017 den Song »Wunderfinder« geschrieben: „Du kannst mehr tun als den Spott sehen./ Mehr tun als im Trott leben./ Die Schuld an allem Gott geben./ Wir können mehr tun als den Sinn suchen/ Wir können den Sinn geben.“


»Ich bin das Licht der Welt«, sagt Jesus. »Wer mir vertraut, wird nicht lang in Dunkelheiten herumtappen. Sondern er wird das Licht des Lebens haben.“ Nicht etwa, um es in sich selbst zu verstecken und ängstlich zu hüten, sondern um es für andere strahlen zu lassen: »Denn ihr seid das Licht der Welt«, und nicht dafür da, euer Licht unter einen Topf zu stellen, sondern es „leuchten zu lassen“. So werdet ihr gegenseitig Licht für euch sein und in wahrer Gemeinschaft miteinander leben. In dieser Gemeinschaft werdet ihr einander Sinn sein und das Licht schicken, dass ihr selbst im Vertrauen auf den Ewigen sein könnt.

Gott selbst ist das »Licht« in euch, das in jeder Dunkelheit leuchtet und auch, wenn nun die Tage kürzer werden, und Sonnenstrahlen sich hinter dichten Wolken verstecken. Dass wir immer wieder ins Vertrauen darauf gelangen, dazu helfe uns Gott.


Andreas Bader, Pastor

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