Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.

(Hebräer 13,2)

 

Liebe Gemeinde,

 

haben Sie schon mal von Couchsurfing gehört? Nein, das bedeutet nicht, mit einem alten Sofa Wellenreiten auf dem Meer zu veranstalten. (Obwohl das sicherlich auch mal eine interessante Urlaubsvariante wäre.) Mit Couchsurfing ist ein Gastfreundschaftsnetzwerk im Internet bezeichnet, wo Menschen durch Mitgliedschaft weltweit eine kostenlose Unterkunft buchen können und selbst im Gegenzug Reisenden gebührenfrei eine Couch, ein Bett oder ein vollständig eingerichtetes Gästezimmer für ein oder mehrere Tage zur Verfügung stellen. Dabei haben sich bewegende Begegnungen und Erfahrungen ergeben. Diese Idee hat sich inzwischen überall auf der Welt etabliert.

Die Idee der Gastfreundschaft ist so alt wie die Menschheit und ein unverzichtbarer Bestandteil menschlichen Zusammenlebens. Je nach Kultur unterschiedlich ausgeprägt ist sie ein heiliges Gut. Gäste genießen Anspruch auf Schutz, Nahrung und Unterkunft, sobald sie in den Kreis der Gemeinschaft eintreten. Bei Naturvölkern spielt sich das gesamte Leben in einem Kreis ab: Der Kreislauf der Natur spiegelt sich im kreisförmigen Zelt, dem Lebensraum der Familie. Die Zelte sind im Kreis um einen Mittelpunkt zum Stammesdorf angeordnet. So wie die Erde um die Sonne und der Mond um die Erde kreisen, bewegen sich im Mikrokosmos der Atome und unseres Körpers die Elemente des Lebens. Einladend für alle ist das Zelt stets offen zugänglich.

Wir dagegen leben in Häusern mit lauter Ecken und Kanten und eckigen Türen im Innern und nach außen. Selbst unser Geld ist eckig! Was sagt das über uns? Die Gastfreundschaft ist verkümmert. Fremde genießen in unseren Häusern und Ländern nur bedingt Bleiberecht. Die Bibel erinnert uns, dass wir alle bloß Gäste auf Erden sind. Wenn wir unsere Häuser und Herzen öffnen, können auch bei uns Engel zu Besuch kommen. Na, wie wär’s? Haben Sie `ne Couch frei für himmlischen Besuch eines Engels? Einen schönen Sommer und im Urlaub mindestens eine Couch zum Übernachten wünscht

 

Ihnen und Euch
Pfarrer Uwe J. Steinmann