Jesus Christus spricht:

„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“   Joh. 10,10

 

 

Leben in Fülle - der Monatsspruch für den August stößt so manchen Menschen heute sauer auf. Ein Leben in Fülle, wie es meine Generation, die sog. Boomer, erlebten, hat dazu geführt, dass wir nun die Folgen spüren: der Klimawandel, schmelzende Gletscher, steigende Meeresspiegel, unerträgliche Hitze im Juni in Westeuropa und vieles mehr. Hinzu kommen leere Renten- und Krankenkassen, steigende Lebensmittel- und Mietpreise. So ein Leben in Fülle hat Konsequenzen - nicht nur für die, die so leben, sondern besonders für die, die gar nicht so leben können, etwa in den sogenannten Drittweltländern und  die nachfolgenden Generationen. So langsam dämmert der Menschheit, dass es so nicht weitergehen kann. Wir haben schließlich keine zweite Welt im Vorratsschrank!

 

Leben in Fülle - für die Menschen zu Jesu Zeiten (und auch durch den Großteil der gesamten Menschheitsgeschichte hindurch) war ein Leben, wie wir es hier heute führen, unvorstellbar. Armut, Sorge, Krankheit, Verlust, Hunger und Krieg waren eher die Regel. Von einem Leben in Fülle konnten und können die meisten nur träumen.

 

Aber was ist ein Leben in Fülle?

 

Nach meinem Studium habe ich ein Jahr in Tansania gelebt und gearbeitet. Ich bin mit 20 kg Gepäck dorthin gereist und kam dort in einem kleinen Häuschen unter, das der lutherischen Kirche am Ort gehörte. Ich hatte ein Bett, einen Tisch, vier Stühle, eine Kommode und ein paar Küchenschränke. Sonst nichts in dem Haus. Ich ging zum Markt, um mir Tasse, Teller, Besteck zu kaufen. Das bekam jemand aus der Kirche mit. Und dann standen Menschen vor meiner Tür und brachten mir Geschirr, einen Zwei-Platten-Kocher, eine Matratze fürs Bett, Besteck, Töpfe und sogar Stoff, aus dem ich Vorhänge und Tischdecke nähte. Plötzlich hatte ich alles, was ich brauchte ohne mein Zutun! Und dazu noch eine Menge neuer Freunde und Freundinnen für das Jahr in der Fremde. Die Ausstattung meines Häuschens war immer noch spartanisch, aber es war für mich ein Zuhause geworden.

 

So stelle ich mir die Fülle des Lebens vor, die Jesus meint:

 

Ich bekomme geschenkt, was ich brauche und Hoffnung, Freundschaft, Geborgenheit, Trost und ein Lächeln, das bleibt, im Übermaß dazu.

 

Ihre Martina Lembke-Schönfeld